Da ich heute das Buch "Fiasko" von Lem fertig gelesen habe wollte ich ein paar Worte dazu verlieren. Vorweg zu sagen ist, dass Lem in meinen Augen ein hervorragender Autor ist, er glänzt mit seinem Wissen und seiner Rhetorik an jeder Ecke und man fühlt sich als würde man vor einem alten Weisen sitzen der endlos (im positiven Sinne) über jedes Thema reden könnte das man ihm nur vorwirft. Naja, stellenweise geht er auch zu ausführlich auf bestimmte Thematiken ein und verliert sich regelrecht in Ausschweifungen, aber man findet immer wieder den roten Faden in dem Buch und langweilt sich eigentlich nie.

Das Buch beginnt mit einem Piloten der auf dem Titan landet, dort ausführlichst beschrieben in einem "Großschreiter" herumwandert und auf dem Weg zu einer Station in einem eisigen Gebiet verunglückt und dabei als letzte Hoffnung von einem "Vitrifikator" eingefroren wird um vielleicht in der Zukunft gefunden und wieder aufgetaut werden zu können.
Dieser Teil zieht sich eine Weile und man denkt Lem wird bei dieser wenig fortgeschrittenen Technologie über das ganze Buch hinweg stecken bleiben, denn diese Großschreiter sind etwas milde ausgedrückt große Rolls-Royce-Motoren betriebene Riesendinger, die erfahrene Sci-Fi Leser nicht gerade in Euphorie versetzen würden, da sie technologisch eigentlich heute schon realisierbar wären (mal abgesehen davon, dass dies am Titan passiert…).

Doch das Buch verwandelt sich in einer unerwarteten Weise zu einem spektakulären kosmischen Ritt,

als ein bemanntes Raumschiff das von der SETI und CETI (^_^) dazu berufen wurde eine andere Lebensform im Universum aufzusuchen an dem Titan vorbeifliegt und diesen "Schiffsbrüchigen" an Bord nimmt und wieder auftaut. Dies geschieht natürlich nicht auf eine banale, sondern auf einer extrem gut beschriebene und interessante Weise, denn Lem hat sich alles genauestens durchdacht. Der Aufgenommene wird Teil der Besatzung dieses Raumschiffs und von da an beschreibt Lem wie die Reise zur Quinta (dem ausfindig gemachten Planeten der mit höchster Wahrscheinlichkeit höher entwickelte Lebensformen trägt) von sich geht, mit welchen technologischen und physikalischen Kniffen diese Distanz hingelegt wird (dies beinhaltet hochkomplizierte Versteckspielchen in und um Schwarze Löcher und desgleichen, weitere Erläuterungen würden zu weit führen..) und wie die Kontaktaufnahme abläuft (oder auch nicht?). Die Zivilisation auf der Quinta wird bis zum Schluss vom Aussehen her nicht näher beschrieben, denn diverse Zwischenfälle und Komplikationen im Kommuniqué mit diesen Lebensformen verhindern dies desöfteren. Erst am Ende wird uns allen klar, was das denn nun bitte war :)

Wer sich schon einmal gefragt hat, warum Aliens nicht friedlich auf die Erde kommen würden, für den ist Fiasko wohl ein entscheidendes Stück im Puzzle der Gedankenwelt zur Klärung dieser Frage.

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber das Buch würde bei Lem nicht ohne Grund Fiasko heißen :) Er läuft bei der Erläuterung wie man versucht Kontakt aufzunehmen auf philosophischen Hochtouren und wirft Licht auf uralte menschliche Handlungsweisen über die man sonst, ohne eine führende Hand die einen auf diese Gedankengänge lenkt, niemals dermaßen nachgedacht hätte.

Alles in Allem ist dieses Buch extrem lesenswert für jeden der Sci-Fi gern hat, für Selbstdenker, für werdende Kosmonauten ;) und andere die Kontakt zu fremden Zivilisationen (oder zu Sinologen? :D [insider?!])  suchen.